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DIESES BLOG WIRD ARCHIVIERT vom DEUTSCHEN LITERATUR ARCHIV MARBACH

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Donnerstag, 24. Mai 2012

...das un-gedicht von der unmöglichkeit...


 .
 
 
...was muss ich alles erleben!
ach, könnt ich mit einer spitzen schere
die grauen gedanken wie wertlose tücher
ratsch! in der mitte durchschneiden,
die fetzen zum putzen verwenden
und im glanz der frischen sauberkeit
in meinen tag tanzen...
ach, könnt ich’s doch, könnt ich’s...




parallel schrieb Miroslav Dusanic:


…was muss ich alles erleben!

immer mehr verstricke ich mich
in die lyrikwelt
und in den worten halt suchend
verliere ich die wahren freunde
die deutschsprechenden
die muttersprachesprechenden
die anderssprechenden

und immer mehr plagen mich
die grauen gedanken…

Miroslav B. Dušanić



 .

Mittwoch, 23. Mai 2012

.
 
schlussgesang

schrei nicht so,
ich weiß um die endlichkeit meiner reise,
nicht musst du mir erklären,
dass der ausgang im staub endet,
im staub und als staub, ach,
schrei nicht so,
ich weiß es, drum will ich
den pfad ölig-nass glätten,
dass er den himmel spiegelt
und mein letzter schritt
vielleicht einem gleiten gleicht
lichtumspielt... von hier nach da....
 
 
 
.
 

Dienstag, 22. Mai 2012

.




ADULTERA


die sinne schärfend 
 
steig ich aus dem heißen fluss der nacht
 
wie eine kranke ein in meines tages rettungs-boot
 
im haar die zweige, blätter, und den tang
 
geheimer, wild-durchlebter stunden,
 
will fliehen, fliegen, atemlos zum ufer hin,
 
mich treideln an des morgenlichtes strang
 
und spüre, ich bin angebunden...
 
so hastig pocht das blut mir in den adern drin.
 
dem fluss entkommen, steh ich bang,
 
vor mir der weg, die sanfte gabelung:
 
nehm ich die reue jetzt, nehm ich die scham?
 
ich wähl den trampelpfad, geh dort entlang
 
quäl mich durch ein gestrüpp aus trotz und wut,
 
das klärt mir wieder den verstand
 
lässt wachsen, meinen über-mut.
 
ich stecke unkrautblüten mir dazu ins haar,
 
und rufe laut: „wie wunderbar!“





Samstag, 12. Mai 2012

I C H

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an manchen tagen bin ich eine melodie
die hebt sich, schwingt vom braun ins lichte blau,
den engeln nahe, vogel-gleich schwebt sie
und will noch weiter, höher schweben...
als gleite sie aus mir heraus,
weit ab in ferne, andre leben.

was soll sie dort, 
so frag ich mich,
und hole sie zurück.
beglücke deine kleine welt, im hier und jetzt,
und mach dich nicht verrückt...

.
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l i e b e LIEBE l i e b e

.
 
 
geliebtes du
kein haltepunkt
 
verliebtes ich
endlos verhoren
 
dein lieben
nicht spiegelgleich
 
ich suche
du findest
 
du suchst nicht
finde ich?
 
 
 
 
.
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er war besonders, sagt sie,
gleich einem stern, der hell erstrahlt.
die lippen schmerzhaft ungestillt,
spürt sie das blut, das pocht, und schwillt
im ohr ein sausen, ein orkan
der atem hastig, scham-gehetzt...
 so jung, denkt sie, so kurz gelebt,
liegt er in kalter erde jetzt. 

schweig still, schweig still!
spürst, was dich streift, 
ein engel schwebt,
und flüstert leis: 
so gib doch ruh,
und lausch hinaus, und hör mir zu...
ich zittre mit dem lauen wind
frühlinglich im zarten grün,
blumendüfte führ ich zu dir hin,
geh in dich - öffne deinen sinn,
weil ich in allen dingen bin...
.
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Dienstag, 8. Mai 2012


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du bist ein prinz, ein zeitlos lichtes wesen, 

durchlebst die see, in sturmzerfetzter dunkler zeit,

von spiegel-glänzend laub dein kleid

durch dich kann ich genesen.

du bist der  h o f f n u n g s s c h i m m e r, 

der unerschrocken heftig immer

sich aus erinnerungen perlend neu gebiert

wenn schmerz kommt, leiden wieder lastet,

sich strahlend hell nach oben tastet

und niemals sich ins niemals-nicht verliert...

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Montag, 7. Mai 2012

läppisch klein

läppisch klein

mein handgepäck, das ist mein buch,

das „blau“-licht meiner anhang-stunden,
und geht die welt um mich zu bruch,
                 hab ich mein paradies gefunden.

gelegentlich geh ich darin verloren

es wachsen berge, meere, grüne auen,
im labyrinth der anderswelten,
kann träumen ich und lauschen, schauen...

in hungersümpfen, rauen klüften,

öffnen sich immer neue pforten,
im taumel ungeahnter düfte
sauge ich lustvoll an den worten

hinauf zu ungeahnten lüften

ertaste staunend alle orte
die welt sie dreht und wendet sich,
ich finde immer wieder mich...


2012gabriele brunsch

Freitag, 4. Mai 2012


die zarten blütenblätter fächeln sanft zu boden
im tonfall einer monotonen melodei,
„er liebt mich“ ist der erste schlag,
„er liebt mich nicht“ – ist zwei...
 
als würden wolken ihren sinn verdüstern
sieht sie das ende paarig nahen!
zerrupft das blümchen, welche qual!
 
oh-mann, ich hätt auch würfel-n können,
grad-ungrad...liebe oder nicht...fatal!
 
in ihrem mund ist noch ein gänseblümchen,
mit vielen wolkenweißen aufgereihten fäden.
verzeihen, nein, ich forder dich heraus, schicksal
jetzt mach ich’s andersrum...
„er liebt mich nicht“ „er liebt mich doch“ 
ganz langsam zupf ich ... schau mer mal...


fwg-bb

Dienstag, 1. Mai 2012

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ein liebes-trank entfacht ein höllenfeuer
wenn seele-köper-harmonien uneins flüchten
denn zuversicht und hoffnung wiegen teuer
wo süchte toben, eitelkeiten stechen,
und zwang und nötigung die bande brechen.

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fwg-ak
GRAFITTI

ich hasse diese öden leeren ausgelebten wände,
an häusern, tunneln, bröckelnden fassaden,

...ich wohne mittendrin und wollte sterben...

ich hasse diese öden leeren ausgelebten wesen,
die in den hinterhöfen hinter fahlen mauern leben,

...ich wohne mittendrin und will nicht sterben...

ist rot ihr herz, so schlägt es monoton im blassen takt
jahrausjahrein – ihr inneres ist wie die mauern nackt,

...ich wohne mittendrin und werde leben...

wer macht die fehlerhafte welt so willenlos,
dass sie sich einlässt auf das kahle, kalte blasse?

...ich wohne mittendrin und lebe...

ist nicht die haut des körpers atemschicht,
ist die haut tot, dann lebt der körper nicht.

...ich wohne mittendrin und lebe, lebe...

will gott sein, kreateur zum trost der augen,
als spurenleger -licht in seele- will ich taugen,

...ich wohne mittendrin und lebe, lebe, lebe...

mit farben lösche ich das farbenelend aus
ich spraye wortgeflecht und bild auf jedes haus.

...ich wohne mittendrin und lebe, lebe, lebe...
 
 fwg-bb-2012

Donnerstag, 26. April 2012

bindezauber

.
kannst du es fühlen, liebster mein,
im sturm der wilden regungen
peitscht bitterkeit den eitlen zorn
mit geiler macht hervor,
lässt liebesbänder
fadenscheinig brechen,
zerfranst das tuch,
das unsre liebe deckte,
zerfledderte das buch,
das unsre guten stunden schrieb...

ich will mit einem zauberspruch
all diese zweifel binden,
und spielen mit den spitzen klingen
die unsre launen rachesüchtig wetzten,
und lächend tief in die vergebung tauchen,
in meine und in deine auch,
dort dock ich an, nur ein versuch,
(in alten zeiten lass uns wieder finden,
wonach wir einst so lustbeflissen lechzten)
drum, liebster komm,
ich hab dich lieb. 


fwg-bb

Sonntag, 22. April 2012

erster frühling



ist es ver-messen, wenn ich, keller-kind,
geborgen in der hülle, dem kokon,
mich danach sehne endlich zu entfalten,
das blatt, die blätter, die mir eigen sind,
pulsieren farben, zarte rispen wachsen schon,
weil mir der sonne sanfte rufe galten,
im dunklen erdloch, schau ich komme schon....
.

Dienstag, 17. April 2012



hoping for an answer

what will the mirror hold

of time's splendour?


.

Donnerstag, 12. April 2012

Mittwoch, 4. April 2012

“Der Schreibtisch ist der Ort, wo sich die Welt entscheidet.” (Günter Eich)

Dies ist ein Satz, dessen Schrecklichkeit
nur langsam tröpfelnd sich erschließt,                                                                   
er hat nichts beruhigendes
und nichts beschauliches.
Er ist nur auf eine ganz schlichte Weise wahr:

Er erzählt mir von Grausamkeit,
von Folter und Tod,
in Zeiten des Krieges.
Von Ausgrenzung, Machtmissbrauch
in friedlicher Zeit.
Von den Ecken,
den dunklen,
den Rückzugsgebieten,
Fluchtpunkten,
die einer ausleuchten möchte
mit dem Federstrich,
den Menschenzahlen,
die es zu tilgen/ergänzen gilt,
den Beschönigungen,
die hergestellt werden müssen,
weil die Menschen, die Art,
die Farbe, die Stimme,
die Sprache, die Religion,
die Rituale, ihr So-Sein,
die wahren  Zahlen,
nicht ins Raster passen.

Dort, an diesem Tisch
in sicherem Abstand,
im wohlsein der anonymität,
sitzt einer, nicht zahnlos,
sondern mit Colgate-Lächeln
zwischen den Lippen,
ohne/mit Toupet,
gestylt oder lässig,
Waschbrett- oder Bierbauch unter
dem  Hemd, dem Anzug, dem Shirt
und hält den Stift in der Hand,
öffnet die Kladde,
liest und streicht ab.
… … … … … … … … …
…mehrfach gelesen, Eichs Satz!
Er steht immer noch da,
unkommentiert,
jetzt nicht mehr so ganz allein….

...doch für uns,
die wir schreiben,
was ist er,
der Schreib-Tisch,
wenn nicht das Papier
auf dem Knie ist,
Zuflucht,
die wir brauchen?
Was entscheiden wir,
da, zwischen Holz und Papier?
Oder ist es Monitor und Keyboard,
oder Handy und Welt?
Gehört - Ungehört?
Da an dem Tisch
mit unserer Strich-Stimme -
oder Ton-Stimme …
in Versen,
wo doch ein jedes Leben
eine ganze Welt bedeutet?


gabriele brunsch

Sonntag, 1. April 2012

...wenn die nachdenklichkeit tiefe furchen ins bewusstsein gräbt, 
dann kommen diese klänge, schwingungen aus einer anderen welt, 
die sich mit denen aus deinem inneren verbinden, und du ...

 Sehr inniglich möchte ich Sat. für die Übertragung meines Gedichtes, "LASST ROSEN WACHSEN" ins Ungarische danken! Mein Gedicht füge ich noch einmal unter die Übersetzung. (Ich habe lange versucht, das ungarische Gedicht in Haiku-form in dieses Blog genau so hinein zu geben, wie Sat. es mir geschickt hat. Leider gelang es mir nicht. Tücke der Technik. Sorry!)


.
. gondozzál rózsát törékeny szépség nőjék a vasrácsokon
 .

finom és pompás szirmait tölti bájos gyöngédséggel fel
.

nincs, aki védje  s fegyverek hatalmát  legyőzi mégis
.

ócskavasak közt  zavartan téblábolsz vezető nélkül
.

művészhatalom alkot önáltatásul új világokat
.

és azok sírnak  s könnyeik soha semmi  mást nem öntöznek
.

nyomorúság nő  a termékeny nyugalom  idején nagyra
.

békét harc követ  ám únva a gyilkolást rózsát gondozzál


Montag, 19. März 2012

frühlingsgedicht



im rahmen meiner jahreszeit
bin ich von rauh nach mild verschoben
das eingegipste ich
hab frühlinglich ich jetzt gesprengt,
das flair der dürren winterzeit
wird zart mit grünem flor verwoben,
ein blütenweiß das kahl verdrängt...
entfesselt fühle ich mich neu
so jung und rein und seltsam scheu,
entrückt, der welt enthoben....

2011